Aus­schluss­klau­seln bei Kapitalanlagen

Die von zahl­rei­chen Rechts­schutz­ver­si­che­rern in ihren Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen ver­wen­de­te „Effek­ten­klau­sel“ und die „Pro­spekt­haf­tungs­klau­sel“ sind nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs unwirksam

Nach der Effek­ten­klau­sel gewäh­ren Rechts­schutz­ver­si­che­rer ihren Ver­si­che­rungs­neh­mern kei­nen Rechts­schutz „für die Wahr­neh­mung recht­li­cher Inter­es­sen in ursäch­li­chem Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung oder Ver­äu­ße­rung von Effek­ten (z.B. Anlei­hen, Akti­en, Invest­ment­an­tei­len). Mit der Pro­spekt­haf­tungs­klau­sel soll­te der Rechts­schutz in Fäl­len im Zusam­men­hang mit der Betei­li­gung an Kapi­tal­an­la­ge­mo­del­len aus­ge­schlos­sen wer­den, „auf wel­che die Grund­sät­ze der Pro­spekt­haf­tung anwend­bar sind (z.B. Abschrei­bungs­ge­sell­schaf­ten, Immobilienfonds)“. 

Unter Beru­fung auf die­se bei­den Klau­seln ist ins­be­son­de­re zahl­rei­chen Geschä­dig­ten der Insol­venz von Leh­man Bros. der begehr­te Deckungs­schutz für die Ver­fol­gung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen im Zusam­men­hang mit dem Erwerb der Papie­re ver­wei­gert worden.

Anders als noch in den Voris­tan­zen die Land­ge­richt und die Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart und Frank­furt am Main [1] hat nun­mehr der Bun­des­ge­richts­hof den auf Unter­las­sung in Anspruch genom­me­nen Ver­si­che­rern in zunächst zwei Ver­fah­ren unter­sagt, die­se Klau­seln zu ver­wen­den oder sich auf sie zu berufen. 

Der Bun­des­ge­richts­hof hat fest­ge­stellt, dass die vor­ge­nann­ten Klau­seln wegen man­geln­der Trans­pa­renz gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB unwirk­sam sind, weil der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer ihnen nicht hin­rei­chend klar ent­neh­men kann, wel­che Geschäf­te von dem Aus­schluss erfasst sein sol­len. Hier­für kommt es nur auf des­sen Ver­ständ­nis nach dem all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch des täg­li­chen Lebens an, weil es sich weder bei „Effek­ten“ noch bei „Grund­sät­zen der Pro­spekt­haf­tung“ um fest umris­se­ne Begrif­fe der Rechts­spra­che handelt. 

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 8. Mai 2013 – IV ZR 84/​12 und IV ZR 174/​12

  1. OLG Frank­furt a.M., Urteil vom 17.02.2012 – 7 U 102/​11; OLG Stutt­gart, Urteil vom 26.04.2012 – 2 U 118/​11; LG Frank­furt a.M., Urteil vom 14.04.2011 – 2/​24 O 169/​10; LG Stutt­gart, Urteil vom 30.08.2011 – 20 O 313/​10[]